Die Stars von morgen schon heute

Green Bay Packers

Heute machen wir in unserer Saisonvorschau in der “Kleinstadt” Green Bay weiter, wo bekanntlich die Packers beheimatet sind. Als Experte zum Beantworten unserer Fragen hat sich Stefan Linscheid bereiterklärt.

 

1. Wie ist deine persönliche Einschätzung zum Datone-Jones-Pick und wie passt er in das Team?

Antwort: So wie das Draft Board in der ersten Runde gefallen ist, war Datone Jones an dieser Stelle der absolut logische Pick und ich wäre schwer überrascht gewesen, wenn Roger Goodell einen anderen Namen verkündet hätte. Die Defensive Line war eine der größten Baustellen der Packers im letzten Jahr. Gerade gegen Ende des Jahres wurde man in Grund und Boden gelaufen und auch der Pass Rush der Defensive Line hatte durchaus Luft nach oben. Des weiteren ist Durability ein größeres Fragezeichen bei den Defensive Ends, eigentlich alle verpassten aufgrund von Verletzungen das ein oder andere Spiel. Der letztjährige 2nd Rounder Jerel Worthy wird die komplette Saison verpassen und Mike Neal bekam in den OTAs Snaps als OLB, von dem her machte es auch aus Depth-Sicht Sinn die DE Position zu verstärken. Jones bringt die idealen körperlichen Voraussetzungen für einen 3-4 End mit, stark genug um gegen den Lauf zu verteidigen, aber gleichzeitig auch sehr athletisch und schnell genug für den Pass Rush. Er sollte auch hervorragend in das von den Packers sehr gern gespielte Nickel-Package passen. Seine Erfahrung in der 3-4 der Bruins wird sicher helfen sich schnell einzufinden. Alles in allem passen Datone Jones und das Packers Scheme wie die Faust auf’s Auge.

 

2. Offensive Tackle/Guard J.C. Tretter war für mich einer der interessantesten Spieler im Draft. Wie kann er helfen, Aaron Rodgers in Zukunft besser zu beschützen?

Antwort: Kurzfristig leider erstmal gar nicht. Gleich am ersten Tag der OTAs krachte es und der Knöchel war im Eimer. Bumms, Aus, Nikolaus für die Rookie Campaigne. Nun bleibt abzuwarten wie schnell die Genesung vorangeht, gerade für Tretter ist das sehr ungünstig, denn er gilt ja noch als sehr raw und das Competition Level in der Ivy League ist auch überschaubar, da wäre jede Trainingseinheit wichtig. Auf die muss er jetzt leider noch etwas warten, die Prognosen lauten von early December bis hin zu 2014. Ansonsten ein typischer Ted Thompson mid-round OL Pick. Small School, sehr vielseitig und nicht mit einer  bestimmten Position in der NFL abgestempelt. Angefangen im College als TE, danach Tackle gespielt, prognostiziert als Guard und von den Packers als Center eingeplant.

 

3. Welcher Rookie wird vermutlich die meiste Spielzeit bekommen?

Antwort: Direkt nach der Draft wäre die logische Prognose hier entweder Datone Jones, Eddie Lacy oder Johnathan Franklin gewesen. Dies änderte sich schlagartig, als sich der designierte starting Left Tackle Bryan Bulaga das Kreuzband riss und auf die Injured Reserve wanderte. Danach bekam im Training und ersten Preseason Game Viertrunden-Pick David Bakhtiari von Colorado die Reps mit dem ersten Team und machte seine Sache durchaus ordentlich. Aufgrund der düsteren Tackle Situation in Green Bay ist davon auszugehen, dass Bakhtiari der Day 1 Starter auf LT ist, während sich Marshall Newhouse und Don Barclay um den Spot auf RT streiten.

 

4. Von welchem undrafted Free Agent erwartest du am meisten?

Antwort: In den letzten drei Jahren schafften insgesamt zehn UDFAs den final Cut bei den Packers, doch sollte im restlichen Verlauf des Camps keiner explodieren, dürfte diese Rate dieses Jahr drastisch nach unten gehen. Im Moment dürften wenn überhaupt Illinois State WR Tyrone Walker und Eastern Michigan LB Andy Mulumba Chancen auf einen Spot im 53er Kader haben. Und selbst wenn dies gelingen sollte, dürfte die Einsatzzeit der beiden sehr überschaubar sein.

 

5. Welcher Draft Pick deines Teams hat dich am meisten begeistert?

Antwort: An Datone Jones in Runde eins und Johnathan Franklin in Runde vier gibt es natürlich überhaupt nichts zu bekritteln. Dennoch möchte ich mit Iowa CB Micah Hyde noch einen dritten Namen in die Runde werfen. Sein laut Experten größtes Minus, der fehlende Speed outside, wiegt im Packers System nicht ganz so schwer, dafür hat er Instincts und vor allem das, was dem Packers Backfield am meisten fehlt: Er kann tacklen. Als Role Player im DB Mix und vor allem in den Special Teams hoffe ich sehr, dass er schon im ersten Jahr seine Duftmarke setzt.

 

6. Welcher Rookie aus 2012, der bisher etwas unter dem Radar geflogen ist (höchstens zwei Starts), könnte 2013 den Durchbruch schaffen?

Antwort: Unter dem Radar geflogen ist so eine Sache, entweder waren die Draftees der Packers schon in der Rookie-Saison mehr als stark (Casey Hayward), spielen 2013 wohl nicht (Jerel Worthy), flogen durch Verletzung vom Radar (Nick Perry) oder waren erst gar nicht drauf (Andrew Datko, B.J. Coleman). Von den Übriggebliebenen geht meine Stimme geht an UDFA WR Jarrett Boykin. Nicht, weil das was man von ihm gesehen hat so unfassbar gut war (bei 5 catches in 2012 wäre das sehr vermessen), sondern wegen der Berichte über die OTAs. Da scheint Boykin einen starken Eindruck zu hinterlassen und nach dem Retirement von Donald Driver und dem Abgang von Greg Jennings ist der vierte Spot im Depth Chart bei den WRs vakant. Und Boykin macht alle Anstalten sich genau diesen zu sichern. WR Coach Bennett ist voll des Lobes und auch von Aaron Rodgers  bekam er versichert „seine Chancen zu bekommen“. Seine sicheren Hände sind in „Dropsy-Town“ Green Bay sehr willkommen und da die Packers Pass Offense ja zu „Spread Out“ tendiert, wird er auch als Nummer vier eine Menge Bälle bekommen. Dass Talent vorhanden ist, steht auch außer Frage, zum All-Time leading Receiver der VT Hokies schafft man es auch nicht so nebenher.

 

7. In den letzten drei Jahren hat es die Lauf-Offense der Packers nicht mehr geschafft, vier Yards pro Lauf zu übertreffen. Können Eddie Lacy und Johnathan Franklin dem Laufspiel wieder mehr Dynamik verleihen?

Antwort: Erstmal war ich sehr überrascht, dass Ted Thompson die RB Position dieses Jahr so aggressiv angegangen ist. In den vorherigen Drafts hat er mit Brandon Jackson 2007 und Alex Green 2011 nur zweimal in den early-to-mid Rounds zugeschlagen. Aber alleine am mangelnden Talent kann man die kürzliche Unfähigkeit der Packers einen Laufangriff zu etablieren, nicht festmachen. Zum einen war die Packers OL in letzter Zeit nicht wirklich für gutes Run Blocking und große Löcher bekannt, zum anderen kam seit Ryan Grant kein Packers-Back mehr unfallfrei durch eine Saison. Und genau hier sehe ich eines der zwei großen Fragezeichen was Eddie Lacy betrifft. Seine Red Flag bezüglich Injuries dürfte ein gewichtiger Grund gewesen sein, warum er bis 61 fiel. Desweiteren ist der Support Cast, den er in der Bama Offense hatte natürlich auch nicht mit dem zu vergleichen, den er in Titletown vorfinden wird. Franklin in der vierten könnte zum einen eine Art Absicherung gewesen sein, in erster Linie bringt er aber auch ganz andere Qualitäten als Lacy mit. Als Change-of-Pace Back mit seiner Schnelligkeit,  Agilität und Playmaking Ability sollte er ein sehr guter Konterpart zu Lacy sein, der für die harten Yards zuständig sein wird. Eine Size-Speed Kombination die man in den letzten Jahren in Green Bay vermisst hat und die das Laufspiel hoffentlich variabler machen wird. Aaron Rodgers wäre über „8 in the box“ und mehr 1-on-1 Matchups outside sicher sehr glücklich. Im Hinterkopf behalten sollte man aber auch, dass Lacy und Franklin die Snaps nicht unter sich ausmachen werden, zuerst müssen beide mal an James Starks vorbei und der wiedergenesene DuJuan Harris wird seinen Platz im Team sicherlich auch nicht kampflos hergeben.

One comment

  1. nicomadi /

    bei den RB hat sich DuJuan Harris den Starterposten vorerst mal gesichert, dahinter scheinen erst Starks und dann erst Lacy und Franklin auf.
    Mal schauen wie es um das Laufspiel der Packers im heurigen Jahr bestellt ist.