Die Stars von morgen schon heute

Das Ende des Late Round Quarterbacks?

Was haben Tom Brady und Tony Romo gemeinsam? Der geneigte NFL-Fan wird sagen: „Nichts! Der eine ist einer der besten Quarterbacks der NFL, der andere schafft es nicht mal, sein Team in die Playoffs zu führen.“

Doch dieser geneigte Fan liegt falsch. Beide sind Starting Quarterbacks in der NFL und beide wurden beim Draft übersehen. Brady wurde erst in der sechsten Runde gezogen und Romo musste sogar bis zur Free Agency nach dem Draft warten. Und die beiden haben noch etwas gemeinsam: Sie gehören zu einer aussterbenden Art – die startenden Late Round Quarterbacks (ich zähle UDFAs mal zu den Late Roundern).

Denn die aktuellen Starting Quarterbacks, die erst nach der zweiten Runde oder gar nicht gedrafted wurden, lassen sich an einer Hand abzählen: Tom Brady (sechste Runde 2000), Tony Romo (UDFA 2003), Matt Schaub (dritte Runde 2004), Matt Flynn (siebte Runde 2008) und Russell Wilson (dritte Runde 2012). Kaum zu glauben, aber die 27 anderen Starting Quarterbacks in der NFL wurden in der ersten oder zweiten Runde gezogen.

Und das bringt mich zu der folgenden Frage: Gibt es den Late Round Quarterback, der beim Draft übersehen wird und es nach etwas Zeit doch zum Starter schafft, überhaupt noch? Und woran liegt es, dass nur noch so wenige Late Rounder auf dem Feld stehen dürfen?

Aber zunächst ein kurzer Blick zurück in die jüngere Vergangenheit, um zu zeigen, wovon ich spreche. Ich spreche von Spielern wie Kyle Orton (vierte Runde 2005), der zunächst bei den Bears und danach den Broncos und Chiefs das Heft in der Hand hielt. Matt Hasselback (sechste Runde 1998) führte die Seahawks sogar in den Super Bowl. Trent Green (achte Runde 1993) führte in den frühen 2000ern eine spektakuläre Chiefs-Offense an und wurde zweimal in den Pro Bowl gewählt. Jake Delhomme (UDFA 1997) erreichte ebenfalls den Super Bowl mit den Panthers. Und wohl das Highlight schlechthin: Kurt Warner (UDFA 1994), der einmal den Super Bowl gewann und zwei weitere erreichte.

Und es gibt noch viele weitere Beispiele: Matt Cassel, Ryan Fitzpatrick, Derek Anderson, Jon Kitna, Marc Bulger, Aaron Brooks, Jeff Garcia, Brian Griese, David Garrard. Alles Quarterbacks, die nicht in den ersten beiden Runden des Drafts gezogen wurden und dennoch über einen längeren Zeitraum für ein Team oder mehrere Teams starten durften. Nicht alle waren erfolgreich, aber ebenso sind nicht alle First oder Second Round Picks erfolgreich.

Doch mittlerweile sind sie fast alle verschwunden – im Ruhestand oder auf der Ersatzbank hinter einem Quarterback, der in den ersten beiden Runden gezogen wurde. Und da komme ich doch ins Grübeln, ob das ein zufälliges Ereignis oder eher ein Trend ist. Dazu habe ich mir drei verschiedene Dinge angeguckt.

Erstens: Wurden in den letzten Drafts mehr Quarterbacks in den ersten beiden Runden gezogen als in den Jahren davor? (Zur Großansicht, die Grafiken einfach anklicken.)

 1st & 2nd QBs

In der Grafik kann man zumindest erkennen, dass zumindest nach 2000 im Schnitt mehr Quarterbacks in den ersten beiden Runden gezogen wurden als davor (2001-2013: 4, 1994-2000: 2,7).

Zweitens: Wurden generell mehr Quarterbacks in den Drafts gezogen?

 3rd & Later QBs

Zwischen 2002 und 2005 erlebte der Late Round Quarterback so etwas wie seine Blüte (der Tom-Brady-Effekt?) mit durchschnittlich 11 Quarterbacks, die in den Runden drei bis sieben gezogen wurden. In den Jahren danach wurde es etwas weniger, doch es waren immer noch mehr als in den späten 90er Jahren. Der Anstieg an früh gezogenen Quarterbacks lässt sich also damit erklären, dass generell mehr Quarterbacks gezogen werden, beziehungsweise dass die Quarterbacks höher gezogen werden als früher.

Drittens: Um zu gucken, wie sich die Draftposition in den Jahren verändert hat, habe ich mir die durchschnittlichen Draftpositionen der Quarterbacks in den Drafts angeschaut.

 

Draftposition QBs

Eine großartige Veränderung über die Jahre lässt sich nicht feststellen, mit der Ausnahme, dass 2011 und 2012 relativ viele Quarterbacks früh gezogen wurden.

Nun will ich zu meinem Schluss kommen. Wieso starten momentan so viele First und Second Round Picks, während alle anderen kaum eine Chance bekommen?

Die NFL ist eine deutlich schnelllebigere Welt geworden. Der Erfolg muss besser heute kommen, denn wenn er morgen nicht da ist, wird man gefeuert. Und der Erfolg beginnt mit dem Quarterback. Daher werden sie früher gezogen. 2011 gab es den großen Run auf Quarterbacks mit Cam Newton (Panthers), Jake Locker (Titans), Blaine Gabbert (Jaguars) und Christian Ponder (Vikings), die alle innerhalb der ersten zwölf Picks gezogen wurden. Dazu gingen Andy Dalton (Bengals) und Colin Kaepernick (49ers) früh in der zweiten Runde vom Board. 2012 folgten dann Andrew Luck (Colts), Robert Griffin (Redskins), Ryan Tannehill (Dolphins) und Brandon Weeden (Browns).

10 Teams haben in den letzten drei Jahren einen neuen Starting Quarterback in den ersten beiden Runden gedrafted. Und wenn man sich die Quarterbacks so anguckt, denke ich, dass einige von ihnen vor ein paar Jahren deutlich später gedrafted worden wären. Außerdem muss ein Quarterback auch möglichst schnell spielen, wenn er früh gedrafted wird.

Was die anderen 22 Teams angeht, halte ich es eher für Zufall, dass dort hauptsächlich ehemalige First oder Second Rounder spielen. Veteranen, die in den letzten Jahren das Team gewechselt haben (Peyton Manning, Carson Palmer, Alex Smith) sind ehemalige First Round Picks. Außerdem denke ich, dass in der kommenden Offseason einige Teams auf der Suche nach einem neuen Quarterback sein werden oder einem Backup eine Chance geben wollen.

Die Vikings, Titans, Jaguars und Browns haben alle junge Quarterbacks, die ihren Status als Starting Quarterback noch nicht gerechtfertigt haben. Es ranken sich Gerüchte um Matt Schaub (Texans), Andy Dalton (Bengals) Philip Rivers (Chargers) und Josh Freeman (Buccaneers). Matt Flynn (Raiders) und Carson Palmer (Cardinals) wirken auf mich eher wie Pflaster und nicht als die Lösung. Dazu kann man nie wissen, wie sich das Spiel eines Veteranen entwickelt, dessen Starter-Posten momentan sicher erscheint.

Die nächste Quarterback-Klasse scheint wieder eine starke zu sein, in der es einige First und Second Rounder geben könnte. Entsprechend könnte es etwas dauern, bis irgendwo ein Late Round Quarterback seine Chance bekommt. Und vielleicht könnte es auch passieren, dass in Zukunft ehemalige Early Round Quarterbacks durch neue Early Round Quarterbacks ersetzt werden, doch soweit sehe ich es noch nicht gekommen.

Es ist auf jeden Fall eine spannende Geschichte, die es in den nächsten Jahren zu verfolgen gilt.

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  1. 360 Grad zum Draft | Sideline Reporter - [...] gibt auch analytische Artikel wie z.B. maschemists Aufarbeitung des spät gedrafteten Quarterbacks. Geplant sind lt. Editorial auch Liveblogs, NFL- …

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