Weiter geht es mit unserem Draftrückblick in der AFC South. Heute sind wir bei den Jacksonville Jaguars zu Gast. Das Team aus Florida ist seit vielen Jahren chronisch erfolglos und erreichte auch in der letzten Saison nur vier Siege. Dabei waren diese vier Siege immerhin eine positive Überraschung, da man mit acht Niederlagen in Serie gestartet war und dann in den nächsten fünf Spielen seine vier Siege holen konnte. Nichtsdestotrotz ist man recht arm an Talent und die Quarterback-Position war nach dem Bust von Blaine Gabbert nicht wirklich gut besetzt. Im Draft hielten die Jaguars den dritten Pick. Mit diesem wählten sie dann ihren Quarterback der Zukunft – so hofft man zumindest in Jacksonville. Blake Bortles hat am College von Central Florida, etwa zwei Autostunden von Jacksonville entfernt, gespielt. Er bringt ideale Voraussetzungen mit, um ein sehr erfolgreicher Quarterback in der NFL zu sein. Er ist groß, kräftig gebaut, besitzt einen starken Wurfarm und eine gute Athletik. Allerdings ist er noch sehr unausgereift in seiner Spielweise. Seine Fußarbeit ist einfach nur schlecht und sie wird unter Druck noch schlechter. Darunter leidet besonders seine Genauigkeit, die sehr inkonstant ist. Außerdem muss er noch lernen, Defenses besser zu lesen und bessere Entscheidungen zu treffen. Im Rahmen der Scouting Combine erzählte Bortles in einem Interview, dass er bei UCF keinen richtigen Quarterback-Coach hatte, der mit ihm an den Grundlagen arbeiten konnte – und eben das sieht man auch in seinem Spiel. Nun liegt es an den Coaches bei den Jaguars, das wieder geradezubiegen. Mal sehen, ob sie es hinbekommen – wenn nicht, haben sich die Jags den nächsten QB-Bust ins Haus geholt. Allerdings wird Bortles nicht direkt starten müssen. In Chad Henne hat man einen der besten Backup-Quarterbacks der NFL, der wohl als Starter in die Saison gehen wird. Hinter einer Offensive Line, die letztes Jahr große Probleme hatte, seinen Quarterback zu beschützen, ist dies auch keine schlechte Idee. In der zweiten Runde schnappten sich die Jaguars dann einen Spieler, der etwas unerklärlich aus der ersten Runde rausfiel: WR Marqise Lee von USC. Ich sah in Lee einen Top-20-Pick und 2012 hat er am College seine Gegenspieler nach Belieben dominiert. Er ist ein technisch sehr...
Draftrückblick 2014: Houston Texans
Die wilde Fahrt unseres Draftrückblicks geht weiter durch die NFL und sie ist in der AFC South angekommen. Dort beginnen wir, wie immer, mit dem letztplatzierten Team, den Houston Texans. Diese waren als heißer Anwärter auf den Super Bowl ins letzte Jahr gestartet, nur um extrem zu enttäuschen und die schlechteste Bilanz aller NFL-Teams hinzulegen. Es gab dafür nicht nur den ersten Pick im Draft sondern auch noch einen neuen Trainerstab um den neuen Head Coach Bill O’Brien obendrauf. Es war lange diskutiert worden, ob die Texans den besten Spieler des Drafts oder einen Quarterback nehmen sollten. Quarterback war nach dem sehr schwachen Jahr von Matt Schaub und dessen Entlassung ein sehr großer Need, denn mit Ryan Fitzpatrick hatte man sich einen bestenfalls durchschnittlichen Starter ins Boot geholt. Man entschied sich dann aber doch für den besten Spieler des Drafts, OLB Jadeveon Clowney von South Carolina. Am College hat er als Defensive End gespielt, bei den Texans wird er aber als Outside Linebacker in der 3-4 Defense auflaufen. Es wird für ihn eine Umstellung, da er nun auch von Zeit zu Zeit in Coverage droppen muss. Das sollte für einen so talentierten Spieler wie Clowney kein Problem darstellen. Vielerorts wird er als Jahrhunderttalent beschrieben, ein Spieler, den es nur einmal in einer Generation gibt. Und tatsächlich gibt es von meiner Seite keine wirklichen Argumente dagegen. Am College hat er seine Gegner nach Belieben dominiert, hat gegnerische Quarterbacks und Running Backs zur Verzweiflung gebracht, wenn er auf einmal vor ihnen auftauchte und die Offensive Coordinators an der anderen Seitenlinie mussten ihre Strategie gegen South Carolina komplett umstellen, um seinen Einfluss auf das Spiel zu minimieren. So kam es dann auch, dass er in der letzten Saison etwas enttäuschte. Er musste sich mit ein paar Verletzungen herumschlagen, ihm wurde mangelnder Einsatz und ein zweifelhafter Charakter vorgeworfen. Ich beharre aber weiterhin auf dem Standpunkt, dass er nur durch hartes Training ein technisch so guter Pass Rusher geworden ist und vom ersten zum zweiten College-Jahr hat er nochmal einen großen Sprung nach vorne, gerade in seiner Run Defense, gemacht. Er sollte auch in der NFL ein dominanter Spieler werden, an dem die Texans lange ihre Freude haben...
Draftrückblick 2014: Carolina Panthers
Ein Team fehlt unserem Draftrückblick in der NFC South noch: Die Carolina Panthers. Diese haben letztes Jahr hinter einer dominanten Front Seven (verstärkt durch die beiden ersten Draft Picks Star Lotulelei und Kawann Short) die Playoffs erreicht, dort aber ihr erstes Spiel gegen die 49ers gleich verloren. Somit hielten sie in der ersten Runde den 28. Pick. Mit diesem Pick wählten die Panthers WR Kelvin Benjamin von Florida State. Benjamin ist groß (6‘5‘‘) und kräftig, dabei aber auch ein vernünftiger Athlet. Allerdings besteht bei ihm ein sehr hohes Bust-Potential. Er hat erst Mitte der letzten Saison angefangen, mit höherem Einsatz auf dem Feld zu Werke zu gehen. Davor hat er sich fast ausschließlich auf seine körperliche Überlegenheit verlassen. Dazu muss er noch viele technische Dinge lernen. Er lässt zu viele Bälle fallen und beherrscht noch kein richtiges Route Running. Auch wenn seine Athletik grundsätzlich gut ist, ist sein Antritt doch recht träge. Bei seinen ganzen Voraussetzungen, besteht aber auch die Möglichkeit, dass er sich in einen der besten Receiver der NFL entwickelt. Zumindest in einen Nummer-eins-Receiver wird er sich in Carolina entwickeln müssen. In Steve Smith, Brandon LaFell und Ted Ginn haben sie in der Offseason ihre drei besten Receiver verloren. Spieler, die sie in der Free Agency geholt haben, tragen die Namen Tiquan Underwood, Jason Avant, Jerricho Cotchery und Joe Webb – Yikes! In der zweiten Runde zogen die Panthers DE Kony Ealy von Missouri. Kein schlechter Pick, wenn auch wieder ein risikoreicher. Ealy bringt sehr gute körperliche Voraussetzungen mit, um ein erfolgreicher Pass Rusher in einer 4-3 Defense zu werden. Das hat er auch schon am College gespielt, aber sehr inkonstant. Seine Explosivität und die Fähigkeit zum Quarterback zu kommen hat er immer wieder angedeutet, ist dann aber den Großteil eines Spieles abgetaucht. Der Pick macht insofern Sinn, dass Greg Hardy nächstes Jahr wieder ein Free Agent sein wird (er spielt dieses Jahr unter dem Franchise Tag). Es ist durchaus möglich, dass man sich eine Vertragsverlängerung nur dann leisten kann, wenn man den anderen Starter auf Defensive End, Charles Johnson, entlässt. Sollte also einer der beiden das Team nächstes Jahr verlassen, stünde Ealy als Ersatz mit einem Jahr NFL-Erfahrung bereit....
Draftrückblick 2014: New Orleans Saints
Unser Draftrückblick geht weiter durch die NFC South und ist bei den New Orleans Saints angekommen. Diese sind nach der Rückkehr von Head Coach Sean Payton und der Ankunft von Defensive Coordinator Rob Ryan wieder in die Playoffs eingezogen, wo sie direkt die Eagles ausschalteten, bevor sie eine Runde später am späteren Champion aus Seattle scheiterten. Damit hatten sie in der ersten Runde den 27. Pick. Diesen gaben sie aber zusammen mit ihrem Drittrundenpick an die Cardinals ab, um zum zwanzigsten Pick hochzutraden. Dort wählten sie WR Brandin Cooks von Oregon State. Cooks ist ein kleiner, wendiger Speedster, der den meisten Gegenspielern davonlaufen kann. Nach dem Abgang von Lance Moore macht der Pick Sinn, einfach um das Receiver-Korps wieder aufzufüllen. Ob die Position bei der Anwesenheit von Jimmy Graham, Marques Colston, Kenny Stills oder Robert Meachem der große Need war, dass man für Cooks hochtraden muss, ist aus meiner Sicht allerdings fraglich. Bei den Saints kommt Cooks aber in die für ihn ideale Situation. Er wird nicht von Beginn an Leistungsträger sein müssen und hat dazu einen Quarterback, der auch bei langen Bällen eine ausgezeichnete Genauigkeit hat – für einen kleineren Spieler sehr wichtig. Auf lange Sicht kann er sich zum Nummer-eins-Receiver entwickeln und der Offense eine starke Dynamik verleihen. In der zweiten Runde zogen die Saints CB Stanley Jean-Baptiste von Nebraska. Jean-Baptiste ist groß und sprungstark, da hören die Vorzüge bei ihm aber fast schon auf. Er ist nicht besonders schnell, bereits 24 Jahre alt und spielte am College viel zu lasch. Immer auf einen gewissen Sicherheitsabstand bedacht, schien er allergisch auf Kontakt mit Gegenspielern zu reagieren. Rob Ryan lässt seine Cornerbacks gerne Press Coverage spielen, ein System, in dem Jean-Baptistes Schnelligkeitsdefizit gut zu kaschieren wäre. Allerdings müsste er dafür anfangen, seine Gegenspieler anzugehen, sie zu „jammen“. Das wird er lernen müssen, diese Umstellung wird er meistern müssen. Wenn das funktioniert, kann er ein guter bis sehr guter Cornerback werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert ist aber nicht so groß, dass mir der Spieler einen Zweitrundenpick wert gewesen wäre. In der vierten Runde entschieden sich die Saints für ILB Khairi Fortt von California. Ich kann über Fortt nicht viel sagen,...
Draftrückblick 2014: Tampa Bay Buccaneers
Der Draftrückblick geht weiter in der NFC South, wo wir bei den Tampa Bay Buccaneers angelangt sind. Diese waren als Geheimtipp auf die Divisionskrone gestartet, bevor das Team scheinbar komplett auseinanderbrach und nur vier Siege zustande brachte. Es gab den Trainerwechsel, Lovie Smith kam, und das Team wurde in der Free Agency bereits ordentlich umgekrempelt, gerade in der Offensive Line. In der ersten Runde des Drafts hielten sie den siebten Pick. Dort wählten sie WR Mike Evans von Texas A&M. Von seinen körperlichen Voraussetzungen und seiner Spielweise her erinnert er stark an Vincent Jackson, der bereits in Tampa spielt. Zusammen bilden sie ein dynamisches, großgewachsenes Duo, dass schon mehrfach als „Twin Towers“ bezeichnet wurde. Am College zeichnete Evans sich hauptsächlich dadurch aus, dass Johnny Manziel seine Pässe einfach nur hoch und weit in seine generelle Richtung werfen musste und er machte schon das Play. Wer auch immer bei den Bucs der Starting Quarterback wird, er wird sich über seine Anspielstationen sehr freuen. Josh McCown spielte bereits letztes Jahr in Chicago mit einem ähnlich großen Receiver-Duo in Brandon Marshall und Alshon Jeffery zusammen und Glennon hat bereits am College seinen kräftigen Arm gerne dazu benutzt, lange Bomben rauszuhauen, in der Hoffnung, dass seine Receiver um den Ball kämpfen. Dies war ein Pick, der nach Mike Williams‘ Abgang viel Sinn machte und mir auch vom Value her sehr gefiel. In der zweiten Runde holten die Bucs sich die nächste große Anspielstation für die Offense in TE Austin Seferian-Jenkins von Washington. In der Free Agency verpflichtete man bereits den in New York enttäuschenden Brandon Myers, Seferian-Jenkins sollte aber die langfristigere Lösung darstellen. Allerdings ist der Pick mit einer ordentlichen Portion Risiko ausgestattet. So talentiert ASJ auch ist, auf dem Spielfeld wirkte er oft lustlos und brachte nicht immer volle Leistung. Als Spielertyp ist er eine Mischung aus Receiver und Blocker. Insgesamt muss er noch an seiner Technik im Blocking und Route Running arbeiten, kann sich aber in einen sehr guten Tight End entwickeln. Seferian-Jenkins in der zweiten Runde zu ziehen, halte ich nicht für zu früh, allerdings hätte ich Jace Amaro vorgezogen. In Runde drei zogen die Buccaneers RB Charles Sims von West Virginia....
Draftrückblick 2014: Atlanta Falcons
Unser Draftrückblick zieht weiter in die NFC South, in der die Atlanta Falcons die schlechteste Bilanz hatten und somit als erstes auswählen durften. Das kam etwas überraschend, da man vor der Saison als Kandidat für den Super Bowl gehandelt wurde. Aber enttäuschende Leistungen auf beiden Seiten der Line und einige Verletzungen sorgten für den Absturz und eine Bilanz von 4-12. Damit hielten sie in der ersten Runde den sechsten Pick. Mit diesem Pick wählten sie OT Jake Matthews von Texas A&M. Nach dem Draft wurde bekannt, dass Matthews von Anfang an der Wunschspieler in Atlanta war. Man hatte sogar mit den Jaguars verhandelt, um hochzutraden, aber die Jags haben am Ende noch einen Rückzieher gemacht, um ihren Quarterback zu ziehen. Doch auch ohne den Tausch nach oben bekamen die Falcons ihren Mann – und den haben sie dringend nötig. Left Tackle Sam Baker bekam im letzten Frühjahr einen neuen, dicken Vertrag, spielte dann zu Saisonbeginn aber enttäuschend schwach, bevor er mit einer Knieverletzung nur noch ein Spiel zwischenzeitlich bestreiten konnte. Sein Ersatz, Lamar Holmes, der eigentlich der Right Tackle sein sollte, spielte nicht besser. Das große Problem der Offense war sowieso das schwache Spiel der Line. In der Free Agency holte man bereits Guard Jon Asamoah aus Kansas City, nun folgte im Draft Matthews. Er wird wohl zunächst auf der rechten Seite zum Einsatz kommen, wo er auch den Großteil seiner College-Zeit gespielt hat, während Baker noch eine Chance auf der linken Seite bekommt. Wenn Baker sich aber nicht steigert, dürfte Matthews ab der kommenden Saison auf Left Tackle wechseln. Matthews galt unter den Top Tackles in diesem Draft als der „sichere“ Pick. Er ist als Sohn des Hall-of-Famers Bruce Matthews mit einem späteren Coach als Vater aufgewachsen und das sieht man seinem Spiel an. Er ist technisch sehr sauber und wirkt fast schon wie ein Veteran auf dem Platz. Er bringt nicht die krasse Upside mit, wie es Greg Robinson tut, kann aber trotzdem in einen sehr guten NFL-Spieler entwickeln. In der zweiten Runde halfen die Falcons ihrer anderen Line mit dem Pick von DE Ra’Shede Hageman von Minnesota. Der große (6‘6‘‘, 310 lbs) Spieler bringt die idealen körperlichen Voraussetzungen mit,...
Letzte Kommentare